Das Kind wegsperren, wenn es nicht gehorcht?

Liebe Eltern, liebe Interessierte

Ende November löste ich eine kleine Diskussion über das Verhalten von Eltern aus. Es ging um einen kleinen Jungen, des seine noch kleinere Schwester „plagt“. Viele Kinder tun das, besonders im Kleinkindalter zwischen 2 und 5 Jahren. Immer wieder kommen Eltern mit Fragen zu mir wie:

  • Was soll ich denn tun, wenn sie/er das andere Kind schubst, kratzt, beisst?
  • Wie lernt mein Kind, dass dieses Verhalten unerwünscht ist?
  • Ich werde so wütend in dieser Situation! Was kann ich da tun?
  • Ist es wirklich so schlimm, wenn ich mein Kind ins Zimmer sperre?

Und genau um den letzten Punkt geht es.

Ich bin eine klare Gegnerin von „Wegsperren“ oder sogar „Einsperren“ und Zimmer abschliessen. Obwohl ich das mit meinen eigenen Kindern auch schon gemacht habe. Es war die Hilflosigkeit, die mich damals zu dieser Handlung gebracht hatten. Meine Gedanken dabei weiss ich heute noch: Ich weiss einfach nicht mehr weiter, Das Kind muss das doch einfach begreifen und Wenn ich jetzt nicht gleich Ruhe habe, tue ich etwas ganz Schlimmes.

Dass dieses Einsperren aber für die Beziehung zu meinem Kind gar nicht gut ist, das wusste ich schon im Moment, als ich es tat. Weshalb dieses Wegsperren für Eltern und Kind leidvoll und traurig ist, können Sie im Artikel unten lesen. Mit bestem Dank an die Redaktion von Fritz und Fränzi.

Die Schattenseiten der Auszeit

Was hilft also, wenn ein Kind tobt, schreit, schubst und „Nicht gehorcht“?

  1. Abstand-Innere Ruhe: Gehen Sie weg vom Kind, aus der Situation heraus. Versuchen Sie, Ihre momentanen Gefühle und Gedanken zu fassen. Seien Sie verständnisvoll zu sich selbst. Sie sind auch nur ein Mensch, Sie dürfen wütend und traurig sein. Wenn Sie zu Ihren Gefühlen und Gedanken gekommen sind, werden Sie merken, dass Sie schon ein bis zwei Stufen ruhiger geworden sind. Loben Sie sich dafür! Das ist eine echte Leistung.
  2. Verständnis: Auch Ihr Kind ist seinen Gefühlen ausgeliefert, es will Sie nicht absichtlich ärgern. Es hat gerade irgendein Bedürfnis, das ihm nicht erfüllt wird. Sagen Sie ihm, dass Sie sehen, dass es gerade nicht mehr weiter weiss, sehr wütend ist oder gerne dasselbe Spielzeug wie die Schwester hätte. Wenn das Kind weitertobt, bleiben Sie in der Nähe, aber gehen Sie nicht mehr darauf ein. Hat das Kind ein schlechtes Gewissen, sprechen Sie das auch an, bitte ohne Vorwurf. Eher im Sinne von: „Ja, das war nicht gut, jetzt weint Deine Schwester. Wollen wir Sie zusammen trösten?“
  3. Wiedergutmachung: Besprechen Sie mit dem Kind, oder gleich mit beiden Kindern in aller Ruhe eine Wiedergutmachung. In aller Ruhe heisst einige Zeit nach der Szene. Nur mit Abstand finden sich gute Lösungen. Unsere Hormone brauchen mindestens 20 Minuten, bis sie sich wieder normalisiert haben! Die Wiedergutmachung sollte echt sein und von allen akzeptiert werden.
  4. Schulden erlassen: Wir Eltern sind oft nachtragend. Das ist Gift für die Beziehung zum Kind und es lernt daraus auch nichts! Am Besten haken wir jede unschöne Szene nach der Wiedergutmachung ab mit den Worten: „Das ist jetzt vorbei, nächstes Mal wird es bestimmt besser laufen.“ So geben Sie Ihrem Kind auch zu versehen, dass Sie an es glauben.
  5. Anleitung geben: Zuguterletzt fragen Sie sich: „Weiss mein Kind überhaupt, wie es sich verhalten soll?“ Sagen Sie öfter „lass das“ oder „mach es so“? Geben Sie eine präzise Anleitung und ermutigen Sie das Kind jedes Mal, wenn es sich richtig verhalten hat. So lernt es, dass es etwas kann und hat Freude daran auf diesem Weg weiter zu machen.

Ich weiss, es ist nicht einfach. Trotzdem möchte ich Sie ermutigen diesen Weg auszuprobieren. Nehmen Sie sich einen Punkt vor für eine Woche. Beobachten Sie, wie Sie sich verhalten, wie sich das Kind verhält und was sich verändert. Und ganz wichtig: Loben sie sich für jede kleinste positive Veränderung!

Ich wünsche Ihnen ganz viel Mut zum Ausprobieren.

Herzlichst, Regula Ferro