Ist Wäsche falten kreativ?

Ich sitze im Wohnzimmer, vor mir ein Korb voll frisch getumbelter Wäsche.

Mein Sohn übt auf seinem Fagott. Wie sieht so ein Fagott überhaupt aus? Ein Fagott ist ein Holzblasinstrument, bestehend aus zwei Röhren mit Löchern und Klappen zur Tonmodulierung. Geblasen wird durch ein Schilfrohr, welches auf einem Silberrohr steckt. Also insgesamt eine komplizierte Angelegenheit.

Wie tönt ein Fagott? Kurz und bündig: Wie eine Fasnachtströte. Vor allem in der Übungsphase. Und in ebendieser ist mein Sohn mit seinen acht Jahren noch. Er spielt schon einige verschiedene Töne und gibt sich wahrlich Mühe, diese auch klar und präzis zu spielen. Und auch einfache Melodien sind schon zu erkennen. Trotzdem ist diese Überei für meine Ohren eine Zumutung. Vor allem da ich mir ja noch den Wäschekorb vorgenommen habe.

Ich sortiere erst mal Unterwäsche, Handtücher und Putzlappen auseinander und meine Gedanken gehen ihre eigenen Wege. Ich liebe alles Kreative, und Wäsche falten ist beim besten Willen nichts Kreatives. So beginne ich nach einer gefühlten Ewigkeit des Unterhosenfaltens diese zu zählen. Es sind zweiunddreissig Stück. In Zahlen: 32. Wo kommen die bloss alle her? Ich rechne: Wir sind ein fünf Personen-Haushalt, die Woche hat sieben Tage. Das ergibt aber fünfunddreissig. Wo sind die fehlenden drei Unterhosen? Hat da jemand nicht jeden Tag seine Unterhosen gewechselt? Muss ich dem nachgehen? Ich entschliesse, mich die Sache für heute auf sich beruhen zu lassen. Ich kann ja froh sein, dass es „nur“ zweiunddreissig anstatt fünfunddreissig Unterhosen sind.

Mittlerweile ist auch mein Sohn fertig mit Üben und das Fagott verstummt. Der Wäschekorb ist noch nicht leer, mein Kopf schon eher. Ich überlege mir, wie viel ich verdienen müsste, damit ich jemanden einstellen könnte, der meine Wäsche faltet. Und sie wäscht, in den Tumbler räumt und auf die Leine hängt und in die Schränke versorgt. Da kommen einige Stunden zusammen und das geht ganz schön ins Geld. Hab ich mal gesagt, Wäsche falten sei nichts Kreatives? Das ist es wirklich nicht, aber ich kann meine Gedanken kreativ schweifen lassen, ihnen nachgehen, bis dann so ein Text entsteht. Und schon kommen mir noch so einige kreative Gedanken. Vor dem Thema Putzlappen falten werden Sie für heute aber verschont! Das verlege ich auf die Zeit in der meine Tochter Geige übt.