Kaltstart am Morgen

Ich stehe unter der Dusche, bin zeitlich gut dran und denke nicht Böses. Da geht die Badezimmertüre auf und meine Tochter stürmt rein. Sie hätte doch vor zehn Minuten auf den Bus gehen müssen, da sie ja gestern das Velo in der Schule hat stehen lassen. Und jetzt kommt sie doch zu spät und überhaupt läuft heute alles schief und gleich geht die Welt unter. Stimmt, das mit dem Bus hatte ich auch total vergessen!

Pudelnass erkläre ich ihr, dass ich sie in meinem Zustand nicht zur Schule fahren könne, jedenfalls nicht sofort.
Brainstorming: Kickboard und Rollerblades fallen wegen Zeitknappheit und der damit verbundenen Gefahren weg. Zu Fuss heisst zu spät kommen.
Ich erkläre ihr, dass ich in zehn Minuten fertig sein kann um sie mit dem Auto zu fahren. Sie rechnet und nimmt mein Angebot dankbar an. Uff, gerade noch mal die Kurve gekriegt. Da sie im Auto warten wird, habe ich die nötige Ruhe um mich schnell abzutrocknen, anzuziehen und die Haare zu föhnen. Schnell, schnell noch den Sohn aus dem Bett holen, sonst kommt der auch noch in Zeitnot.

Dann im Galopp zwei Stockwerke tiefer, Fahrausweis und Schuhe geschnappt und ins Auto gehechtet. Der Schlüssel steckt, das Garagentor ist schon offen, die Tochter überaus dankbar.
Sie kam pünktlich zum Unterricht und wir werden uns das nächste Mal eine schriftliche Notiz auf den Küchentisch legen, wenn das Morgenritual anders als gewohnt laufen sollte.

Was wir wieder beide wissen: Im Notfall können wir aufeinander zählen. Das ist ein gutes Gefühl.