Kinder fürs Lesen motivieren

Ihr Kind liest nicht gern?

Lesen gehört immer noch zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Schullaufbahn. Doch manche Kinder tun sich sehr schwer mit dem Lesen. Sie lesen nicht gerne oder überhaupt nicht. Als Mutter oder Vater machen Sie sich vielleicht Gedanken oder sogar Sorgen. Sie wünschen sich, dass Ihr Kind mehr liest, lieber liest, besser liest. Hier finden Sie Anregungen und Erklärungen zum Thema Lese-Motivation.

Fragen Sie sich zuerst, wie Sie selbst zum Lesen stehen. Wie oft am Tag, in der Woche lesen Sie ein Buch? Eine Zeitung? Eine Zeitschrift? Lesen Sie am Tablet, I Pad, E Book? Oder lesen Sie noch Bücher mit sicht- und spürbaren Seiten? Wie lange lesen Sie jeweils? Und was davon bekommt Ihr Kind mit? Was sieht es, wie oft und was erzählen Sie über das Gelesene? Vielleicht sind Sie auch gerne Vorleserin und Vorleser und begeistern Ihr Kind mit spannenden Geschichten.

  • Und jetzt, nach diesen Gedanken, überlegen Sie sich, wie sich Ihr Kind zum Lesen verhält. Ist das ganz anders, als bei Ihnen selbst? Oder sehen Sie Parallelen und Ähnlichkeiten?

Als Zweites überlegen Sie sich, wo Ihr Kind liest, oder lesen sollte. Haben Sie ein gut gefülltes Bücherregal oder gar eine Bibliothek? Gibt es eine „offizielle“ Leseecke? Darf auf dem Sofa mit einem Buch „rumgelümmelt“ werden? Oder auf dem Boden, dem Teppich, im Bett?

  • Machen Sie sich bitte ein paar Gedanken zu einer Lesezone in Ihrer Wohnung, Ihrem Haus. Wo könnten Sie so etwas einrichten?  Stellen Sie sich ganz genau vor, wie  es aussehen würde, was für Möbel, Teppiche, Kissen da sind.  Mit welche Farben, Formen, Materialien würden Sie sich wohlfühlen? Welche Bücher und Zeitschriften gibt es auf Ihrer „Lese-Insel“? 
  • Fragen Sie Ihre Kinder nach ihrer Vorstellung einer Lese-Ecke oder Lese-Insel. Sie werden überrascht sein, welche Ideen da kommen!

Der dritte Punkt ist die Zeit. Kinder brauchen Zeit zum Lesen. Ist die ganze Woche verplant mit Aktivitäten ausser Haus? Verbringt das Kind die meiste freie Zeit zu Hause an Bildschirmen? Dann bleibt nur noch ein kleines Plätzchen fürs Lesen. Oder gar keines mehr!

  • Wann konkret  hat Ihr Kind Zeit um zu lesen?
  • Vielleicht müssen Sie ihm auch „zum Glück verhelfen“. Das heisst, Sie geben tägliche oder mindestens wöchentliche Zeitfenster vor, wo gelesen wird. Will das Kind nicht lesen, darf es halt einfach in die Lese-Ecke gehen und nichts Tun. Sicher ist ihm langweilig dabei, es wird auch motzen. Bleiben Sie trotzdem konsequent. Es lohnt sich. Und nach einer kurzen Zeit der Gewöhnung, wird die Neugier auf das Buch grösser sein, als der Widerstand. Und wenn Sie beim Kind bleiben, auch ein Buch in die Hand nehmen und demonstrieren, wie lustvoll lesen sen kann, dauert es nicht mehr lange, bis Ihr Kind Sie nachahmt.
  • Manche Kinder lesen sehr gerne abends in Bett. Setzen oder legen Sie sich dazu, lesen Sie mit dem Kind oder auch ein eigenes Buch. Geniessen Sie die gemeinsame Zeit! Es ist das Wertvollste, was Sie Ihrem Kind geben können.

Zuletzt beantworte ich noch ein paar häufige Fragen:

Wie oft und wie lange soll das Kind lesen, damit es etwas bringt?

  • Gute Leser lesen täglich, sie lesen mindestens 30 Minuten am Stück
  • Ein gezieltes Lesetraining zur Verbesserung der Leseleistung und Förderung der Lesefreude sollte 5-7 Mal pro Woche zwischen 20 und 30 Minuten umfassen

Bringt Lesen wirklich etwas für die Rechtschreibung?

  • Es gibt verschiedene Studien zum Zusammenhang zwischen Lesen und Rechtschreibung. Sie sind teilweise widersprüchlich. Allerdings sieht man in allen diesen Studien, dass sehr gute Leser auch gute bis sehr gute Rechtschreibkenntnisse haben. Lesen bringt also auf alle Fälle etwas, die Rechtschreibregeln und das Rechtschreibtraining werden allerdings durchs Lesen nicht ersetzt. Der geübte Leser hat vor allem eine Wiederholung der bildhaft abgespeicherten und richtig geschriebenen Worte. Und das ist doch auch schon recht viel.

Wir haben genug Bücher und auch Gelegenheiten, dass die Kinder lesen können. Trotzdem tun sie es nicht gerne und sie sagen, es sei mühsam.

  • Hier möchte ich Ihnen erstmal sagen, wie gut ich Ihre Verunsicherung und Ihren gelegentlichen Ärger verstehen kann! Auch mein Sohn, das dritte Kind in einer lesebegeisterten und wissbegierigen Familie, mag nicht lesen. Er findet es mühsam und frustrierend. Lesen macht erst Spass, wenn das Kind so schnell lesen kann, wie es vorgelesen bekommt. Normalerweise ist das Mitte der dritten Klasse der Fall. Wenn das Kind ab der 4. Klasse noch langsam und stockend liest, hatte es bis anhin vielleicht zu wenig Übung. Möglicherweise steckt auch eine unerkannte Leseschwäche dahinter. Meiner Erfahrung nach, kann allerdings auch ein Kind mit Leseschwäche vom regelmässigen Lesetraining profitieren. Es ist aber besonders anstrengend für das Kind. Dem sollte Rechnung getragen werden, indem das Kind besonders ermutigt und für jeden sichtbaren Fortschritt auch gelobt wird. Bleiben Sie dran!

In welchem Alter macht regelmässiges Lesen Sinn?

  • Von Anfang an! Ganz kleine Kinder sehen sich Bilderbücher an. Sie fühlen die Seiten, vielleicht hat es noch Fell oder raue Strukturen, um mit den Fingern darüber zu fahren. Leseanfänger sind sowieso bestens abgeholt, wenn sie regelmässig lesen. Und wenn es mühsam ist am Anfang, lesen Sie abwechselnd mit dem Kind. Zum Beispiel: Sie lesen 5 Sätze, das Kind liest 1 Satz. Beim nächsten Buch liest es schon 2 Sätze nacheinander.
  • Schwieriger ist es, Kinder ab der Mittelstufe und Teenager fürs Lesen zu begeistern. Hier lohnt es sich genau hinzuschauen, ob vielleicht eine Leseschwäche vorliegt. Oft wurde aber das Lesen einfach vernachlässigt und zu wenig geübt. Meistens zu Gunsten der Bildschirm-Medien. Das ist natürlich mühsam, dem Kind jetzt noch Lesefreude und Lesetraining beizubringen. Es ist aber durchaus möglich, wenn Sie es wirklich möchten, und bereit sind durchzuhalten, wenn es Widerstand gibt!

Ist es gut, wenn mein Kind am E Book oder Tablet liest, oder soll es besser ein Buch nehmen?

  • E Books sin eine gute Alternative zum Buch. Ich würde sie allerdings erst einsetzen, wenn das Kind schon flüssig liest.
  • Tablets sind weniger geeignet, weil darauf meistens schon einige Spiele und auch das Internet installiert sind. So ist der Reiz, etwas anderes zu machen, als zu lesen, doch sehr gross. Und gerade eher schwache Leser lassen sich sehr gerne ablenken und wechseln dann schnell vom Lesen zum Spielen oder Surfen. Eine Alternative wäre hier eine Kinderschutz-App, in die Sie ausschliesslich Lese-Apps integrieren.

Nun hoffe ich, Sie haben ein paar Ideen bekommen, um Ihren Kindern das Lesen schmackhaft zu machen. In Kürze werde ich noch ein paar Büchertipps veröffentlichen. Schauen Sie immer wieder mal rein und geben Sie mir auch gerne ein Feedback. Ich freue mich darüber!