Macht und Ohnmacht in der Erziehung

Am Montag, 11. Juni lud der Elternverein Wigoltingen „Elterndingsda“ Frau Monica Kunz von der Fachstelle Prävita ein für ein Referat zum Thema „Macht und Ohnmacht in der Erziehung“. Ich durfte als FemmesTisch Moderatorin die Fachstelle Perspektive vorstellen und ansonsten den spannenden Ausführungen der Referentin folgen.

Was Frau Monica Kunz uns Eltern nahebrachte ist so grundlegend und „alltagstauglich“ dass ich mich entschlossen habe, eine kurze Zusammenfassung zu schreiben und diese hier einzustellen.

„Würden Sie Ihren Papagei jederzeit verkaufen?“ lautete die witzige Einstiegsfrage. Gemeint ist, ob wir Eltern bereit wären, alle Äusserungen, die wir im Laufe des Tages zu unseren Kindern machen auch an die Öffentlichkeit geben würden. Oft sind wir nett und respektvoll zu unseren Kindern, doch manchmal überfällt uns die Wut und wir sagen und tun Dinge, die verletzend sind und deiewir nachher bereuen.

Grundsätzlich ist es so: Wir Eltern haben Macht über unsere Kinder, und wir sollen diese auch wahrnehmen und ausüben. Macht ausüben über unsere Kinder? Da stellen sich nicht nur bei mir die Haare auf. Doch Macht ist nicht gleich Macht. Es gibt die unterdrückende und die beschützende Macht. Handeln wir im Sinne der beschützenden Macht, übernehmen wir als Eltern die Führung und die Verantwortung in der Kindererziehung. Tun wir das nicht, tun es die Kinder. Wollen wir das? Ich nicht!

Fühlen wir uns ohnmächtig unseren Kindern gegenüber, geraten wir schnell in die Abwärtsspirale von Schimpfen, Schreien, Schlagen. Wenn wir schon feststecken in unguten Mustern, welche uns zu gewalttätigen Äusserungen und Handlungen gegenüber den Kindern bringen, schlägt Monica Kunz eine Analyse der Situation mit folgenden Fragen vor:

• Drehbuch: wer, wo, wie, was?

• Mein persönlicher Zustand: vor, während, nachher?

• Und danach-wie ging es weiter?

• Was tun, damit es nicht mehr vorkommt?

Durch die Beantwortung der letzten Frage wird ein neues Muster für die Zukunft gelegt und die Chance ist gross, dass wir uns in der nächsten ähnlichen Situation anders verhalten werden.

Was gehört noch zu einer gewaltfreien Erziehung? Ganz wichtig: Uns Eltern muss es gut gehen. Die Frage ist also: Was tun wir für uns selbst? Wie laden wir unsere Kräfte auf?

Die einen nehmen sich Zeit für einen Mittagsschlaf, die anderen gehen eine Runde Joggen, die dritten entspannen sich in der Badewanne. Die Hauptsache ist, wir sind eine Weile ungestört und tauchen erfrischt und erholt wieder auf. Bereit für die nächste Runde im Machtspiel mit unseren Kindern.

„Wie viele Regeln gibt es in Ihrer Familie?“ wollte die Referentin von uns wissen. Sinnvoll sind maximal drei Regeln pro Kind und Familie. Ansonsten geht der Überblick verloren. Diese drei Regeln werden klar definiert und schriftlich oder noch besser bildlich festgehalten. Beispiel: Ein Foto der aufgeräumten Garderobe, welches in derselben hängt, zeigt deutlich, wie das Ziel aussieht.

Regeln können sehr gut gemeinsam im Gespräch mit den Kindern vereinbart werden. Die Umsetzung ist natürlich nicht immer einfach. Denn Kinder sind hartnäckige Verhandlungskünstler: „Ich habe doch gerade heute soo viele Hausaufgaben, meine Legomänner müssen dringend sortiert werden, meine Freundin ruft gleich an….“. Da hilft uns Eltern die „Beharrlichkeitsschlaufe“. Freundlich, aber bestimmt wiederholen wir die Aufforderung an das Kind: “ Und du gehst jetzt den Kompost leeren, und du gehst jetzt den Kompost leeren, und du gehst jetzt den Kompost leeren…“ Tönt ätzend, und das ist es auch. Besonders für die Kinder. Ich habe es ausprobiert und ich muss sagen, wenn ich den Nerv habe, die Beharrlichkeitsschlaufe durchzuziehen, klappt es. Ganz nach dem Motto wer den längeren Atem hat, hat die Macht. Auch die beschützende Macht.

Ich habe meine Meinung zu Macht und Kindererziehung ein bisschen revidiert, ich möchte bei meinen Kindern die beschützende Macht ausüben und Wege aus der Ohnmachtsspirale finden. Damit wir als Familie gemeinsam stark sind.